Sonntag, 9. November 2014

SPECIAL: TERROR ISLAND OVERKILL REVIEW UND INTERVIEW - AMATEURSPLATTER AUS DEM NORDEN DEUTSCHLANDS




Der deutsche Amateursplatter ist nicht nur international sehr hoch angesehen, sondern erfreut sich auch einer langen Tradition. In den späten 80ern (bzw. frühen 90ern) schnappten sich Leute wie die fürstenfeldbruck'sche Splatterikone Olaf Ittenbach oder Trash-Guru Andreas Schnaas ihre VHS Kameras und drehten ohne nennenswerte finanzielle Mittel oder technisches Know-How krude Hommagen an die Genrefilme, welche damals rechtlich einen noch schwereren Stand hatten als es heute der Fall ist (und vielleicht gerade deshalb eine solche fanatische Anhängerschaft um sich scharren konnten). Diese Werke haben sich unter anderem dadurch ausgezeichnet, dass sie an banal „deutschen“ Schauplätzen, wie sie wirklich jeder kennt, gedreht wurden, was fanintern zur liebevollen Genrebezeichnung „Wald und Wiesensplatter“ führte. Heutzutage sind die technischen Mittel und Vertriebswege andere, die Vorbilder haben sich geändert und somit auch die Filme, welche die Amateurlandschaft hervorbringt. Umso erfreulicher ist es, wenn sich noch ein deutscher Filmemacher diesem (rustikalen?) Subgenre annimmt und mit unverblümter Selbstgefälligkeit drauf lossplattert, ohne die schlechte Kopie eines Hollywoodfilmes sein zu wollen. So hat sich zwischen all den mittelmäßigen Rip-Offs und verwaschenen, alten Helden ein Mann hervorgetan, der diese vergessene Kunst weiterhin hochhält: Marius Thomsen. Thomsen drehte von 2000 bis 2007 die Knochenwald Trilogie, welche im Jahre 2008 als 2-Disc Collection veröffentlicht wurde. Die drei Filme um den psychopathischen Killer Mike Mansfield stellen nicht nur eine Verbeugung vor dem klassischen Slasherfilm der 80er Jahre dar, sondern sind auch perfekte Beispiele für deutsche Amateurkost ala „Violent Shit“. Nach Jahren des Wartens präsentiert uns Thomsen seinen neuen Geniestreich „Terror Island Overkill“, welcher zwar mehr vom Actionkino der 80er als vom Slasher-Genre beeinflusst wurde, aber genau das abliefert, was die Fans schon so sehr an Knochenwald liebten. Im folgenden wird hier die Rezension zum neuen Werk, sowie ein ausführliches Interview mit dem Regisseur präsentiert.




REVIEW: TERROR ISLAND OVERKILL

Der ehemalige Top-Soldat und jetzige Polizist Even Harder (sic!) erwartet zusammen mit seiner Frau sein erstes Kind und vertreibt sich nebenher die Zeit mit dem ausgiebigem Trainieren von Kampfsport. Kurz nachdem er die Leiche eines ehemaligen Kameraden bergen muss, wird er gekidnappt und auf eine verlassene Insel gebracht. Ein weiterer, ehemaliger Kamerad namens Vince Harper organisiert hier grausame Menschenjagden und bei der jetzigen sollEven als Beute dienen. Als Harper Evens schwangere Frau umbringt, schwört dieser auf Rache. Ein erbarmungsloser Kampf gegen Harpers Söldner bricht los.

„Terror Island Overkill“ ist, wie bereits erwähnt, eine Hommage an das allseits beliebte und bekannte B-Movie Actionkino der 80er Jahre und insofern versteht es sich von selbst, dass die Handlung eine mehr als prototypische ist. Ein tougher Superheld, der seiner Familie beraubt wird, ein Erzrivale und eine Unmenge an Kanonenfutter liefern sich eine blutige Schlacht, nachdem die ersten zwanzig Minuten etwas Character Developement und rahmenbildende Handlung serviert wurde. Obwohl „Terror Island Overkill“ ein reinrassiger Amateursplatter im Action-Gewand ist, kommt die Handlung doch um einiges ernster und emotionaler daher, als bei einem durchschnittlichen Film dieser Machart (hierzu zählen auch die Frühwerke Thomsens) der Fall ist. Der Film nimmt sich selbst natürlich nicht so ernst, als dass es zur Farce würde (deutsche Regisseure bei denen dies durchgehend der Fall ist, werden hier anstandshalber nicht als Negativbeispiel genannt), doch es ist relativ offensichtlich, dass Thomsen mit seinem aktuellen Film keinen reinen Klamauk schaffen wollte. Evens Geschichte ist durchaus eine traurige, bewegende und somit wird ein gewisses Maß an Identifikation mit der Hauptfigur geschaffen, welche seinen Rachefeldzug zu mehr als einer reinen Aneinanderreihung blutiger Szenen macht. Dennoch bestehen mehr als zwei Drittel des Filmes aus reinem Splatter, welcher jedoch so abwechslungsreich und spritzig inszeniert wurde, dass es keine Durststrecken gibt und es, dank einiger neuer Bösewichte und Weiterentwicklung, durchgehend spannend bleibt.



Gerade die angesprochenen Bösewichte gehören zu dem humorvollsten, was man in letzter Zeit hat erleben dürfen. Als selbsterklärende Beispiele seien hier der „Toraminator“ (sic!) Abraham Eisenadler und der blinde Rollstuhlfahrer Tyler Molesight genannt. Generell spielt der Humor bei „Terror Island Overkill“ eine sehr tragende Rolle, welche dem Film auch mehr als gut zu Gesicht steht. Als besonders liebenswert erweisen sich die gewollt flachen Oneliner, welche Even Harder nach jedem Kill loslässt (natürlich ein spielerischer Seitenhieb in Richtung Arnie und co). 



Auch wenn „Terror Island Overkill“ eine Vielzahl von Qualitäten hat, ist es natürlich sonnenklar, dass der Splatter sowohl das Verkaufsargument, als auch das Hauptaugenmerk ist. Hier fährt Thomsen richtig auf und präsentiert dem geneigten Fanatiker eine solche Vielzahl von Gewaltszenen, dass eine einmalige Sichtung kaum ausreicht, um alles zu verarbeiten. Man kann mit Gewissheit sagen, dass „Terror Island Overkill“ was Kreativität und Häufigkeit der Morde angeht fast schon mit dem ikonischen „Violent Shit 3 – Infantry of Doom“ mithalten kann (welcher natürlich bis heute ungeschlagen ist). Neben zahlreichen, extrem blutigen Kopfschüssen werden Körper mittels Kreissäge in zwei Teile geteilt, Herzen mit der bloßen Hand aus dem Brustkorb gerissen, Köpfe mit dem Katana gespalten bzw. vom Rumpf entfernt oder gleich mit dem Vorschlaghammer zermatscht, Leiber durchstochen und Menschen in die Luft gesprengt. Die FX Arbeit, übrigens von Thomsen selbst realisiert, ist krude, aber liebevoll und stellt im Vergleich zum letzten Knochenwald Teil „Sudden Slaughter“ eine merkliche Weiterentwicklung dar. Auch macht Dennis Jürgensen bei den Kampfszenen, welche auch mehr als kurzweilig sind, erneut eine sehr gute Figur!




Fazit: „Terror Island Overkill“ ist quasi „Phantom Kommando“ im „Knochenwald“-Stil und unterhält blendend! Der Humor ist weder penetrant noch nervig, die Geschichte und der Spannungsaufbau sind verhältnismäßig ausgereift und die durchgehende Splatter-Action ist eine reine Wonne. Für alle Amateursplatter-Nostalgiker eine Pflichtanschaffung!



INTERVIEW: MARIUS THOMSEN

TM: Hallo, Marius! Zunächst einmal danke für das Interview! Für die, die dich noch nicht kennen: wer bist du und was machst du?
MT: Moin moin, ich habe zu danken. Ich bin der Marius Thomsen, viele kennen mich vielleicht durch mein Hobby, selbst Amateurstreifen auf die Beine zu stellen. Seit 2000 drehe ich meine eigenen Filme, inhaltlich mit dem gefüllt, was ich selbst am liebsten sehe: Splatter.



TM: Dein neuer Film “Terror Island Overkill” wurde vor kurzem veröffentlicht. Was kannst du darüber sagen? Wie stehst du zum fertigen Film?
MT: Insgesamt bin ich mit dem Endergebnis, insbesondere der DVD-Veröffentlichung über MUP sehr zufrieden, auch wenn ich storymäßig viele Abstriche machen musste und von ursprünglich geplanten Szenen viele gecancelt werden mussten, damit wir damit überhaupt fertig werden konnten. Es sollte, nach der ersten Idee her gesehen, noch ein paar weitere diverse Bösewichte geben und somit auch mehr Fights und Kills. Aber aufgrund der vielen Probleme haben wir uns dafür entschieden, das ganze etwas abzukürzen. Im Nachhinein gesehen war das sogar die bessere Idee, denn im Film haben wir mit den gedrehten Szenen einen Kampf nach dem anderen, mehr wäre dann vielleicht etwas übersättigend dahergekommen und man hätte als Zuschauer schnell die Übersicht verloren. Ich denke, die Menge an Bösewichten, die jetzt im Film vorkommen, ist mehr als ausreichend und der Film wirkt so abgerundet. Aber mit dem, was an Ideen da ist, würde es hier auch allemal für eine Trilogie reichen :-)



TM: Die Dreharbeiten scheinen sehr lange gedauert zu haben. Woran lag das? Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass es Probleme mit dem Drehort gab.
MT: In erster Linie dauert so ein Filmprojekt so lange weil alle Mitwirkenden auch Zeit dafür haben müssen, neben Familie und Arbeit wohlgemerkt opfert jeder der Teilnehmenden seine Freizeit für so ein Projekt. Zudem wohnen viele nicht mehr in der Nähe sondern sind weggezogen, was die ganze Organisation nicht gerade erleichtert. Mit so einem selfmade-Filmprojekt kommen in jeder Hinsicht Probleme auf einen zu, wo sie nur möglich wären. Das ist in etwa die extreme Form von Murphys Gesetz: alles was schief gehen kann, wird auch schief gehen, definitiv. Geplante Darsteller für fertig vorbereitete Szenen fielen spontan, manchmal nur Stunden vorher, aus. Somit musste kurzerhand improvisiert werden, was man mit dem restlichen erscheinenden Leuten schafft. In solchen Fällen sind wir dann trotzdem zum
organisierten Drehort hin und haben versucht andere, für später geplante Szenen, in den Kasten zu bringen oder ich habe die Handlung so weit geändert, dass es irgendwie passt. Einen möglichen Drehtag hinzuwerfen, an dem alles vorbereitet und organisiert war, konnte man sich einfach nicht erlauben. Oft haben wir auch einfach die geplanten Splatterszenen trotzdem gedreht, dann aber mit 08-15-Söldnern, sofern vorbereiteten Effekte es erlaubt hatten. So sollte z.B. ein charakteristischer Hauptbösewicht mit dem Samuraischwert gezweiteilt werden. Da ich diesen Bösewicht aber kurzerhand aber entfernen musste da der vorgesehene Darsteller komplett abgesprungen war, haben wir den Dummy (die vorbereitete Puppe) für diese Splatterszene einfach für einen normalen Standard-Bösewicht benutzt. Da man diese Zweiteilung ohnehin nur aus der Rückansicht sieht, war das natürlich möglich.
Ja, mit den Drehorten sagst Du was. Da es ein Actionfilm war, in dem ziemlich viel rumgeballert wurde, hatten wir halt realistisch wirkende Waffen dabei. Das waren zwar ausschließlich Softairwaffen, zu 3/4 defekt, aber trotzdem so genannte Anscheinswaffen, auf deren tragen in der Öffentlichkeit eine satte Strafe steht. Daher war es erforderlich, dass wir stets auf Privatgeländen drehten um Ärger zu vermeiden.
Und da ging das Problem los - einen geeigneten Drehort finden, wo der Besitzer eine grölende Horde junger Leute, die nicht nur das Gelände zu einem Schlachtfeld machen sondern es auch mehr oder weniger so verlassen. Ein paar Szenen konnten wir im Garten meiner Eltern drehen während diese im Urlaub waren aber das war auf Dauer keine Lösung. Dann bekamen wir nach einigem Hin und Her das OK vom Nachbarn einer Darstellerin, auf seinem Gelände drehen zu dürfen. Das Ganze hat er dann vier mal mitgemacht bis er uns dann plötzlich doch nicht mehr unterstützen wollte. Ohne weitere Optionen haben dann doch heimlich im öffentlichen Wald gedreht um Szenen in den Kasten zu bekommen und wurden eines Tages prompt von der Fortstaufsicht erwischt. Glücklicherweise war das noch währen der Aufbauphase und wir hatten weder angefangen zu drehen noch Waffen in der Hand. Zu guter letzt bekamen wir dann mit viel Glück die Erlaubnis auf einem stillgelegten Militärgelände, kurz vor der dänischen Grenze drehen zu dürfen, wo wir den Film letztendlich auch zu Ende bringen konnten.
Das war wirklich Glück da sich die Bunker gleich im Film und in die Story integrieren ließen.



TM: War es deine Absicht mit TIO eine Hommage an alte Action B-Movies a la “Phantom Kommando” zu drehen? Gerade die Sprüche nach jedem Kill deuten sehr darauf hin.
MT: Definitiv. TIO ist eine Hommage an die naiv-unterhaltsamen B-Actioner der 80er Jahre aber auch eine Verneigung vor Troma-Filmen und vor anderen deutschen Independentfilmen. Gerade Schnaas' Violent Shit III - Infantry of Doom war ein Vorbild. Aber auch diverse "Menschenjagd-Filme" wie Battle Royale, The Condemned - Die Todeskandidaten, Surviving the Game oder Beim sterben ist jeder der erste haben mich stark inspiriert, meine Version eines solchen Films zu drehen.


TM: Im deutschen Amateur-Splatter sind actionlastige Filme eher Mangelware. Denkst du, dass du mit TIO auf eine Art Marktlücke gestoßen bist?
MT: Da stimme ich zu: Übertriebene Actionszenen sind im Amateur-Splatter recht selten vertreten. Meistens sind es doch Slasher-oder Zombiefilme, die in dem Bereich entstehen.
Aber Marktlücke ist ein so kommerzieller Begriff und klingt fälschlicherweise nach "Goldgrube". Etwas, wovon man beim Amateur-Splatterfilm nicht sprechen kann denn finanziell gesehen setzt man dabei, selbst angesichts anschließender Lizenzvergabe und DVD-Auswertung, zu und bleibt mit so einem Projekt auf dem Großteil der Kosten sitzen. Andererseits macht man so einen Film auch nicht um daran Geld zu verdienen, also will ich auch gar nicht rumjammern :-)


TM: Wie kamst du damals auf die Idee deinen ersten Splatterfilm zu drehen? Gibt es vielleicht noch unveröffentlichte Werke, welche du vor dem ersten Knochenwald gedreht hast?
MT: Ein Horrornerd und Filmfreak war ich schon seit ich denken kann. Als ich dann mit so 17 Jahren meine ersten Amateursplatterfilme zu sehen bekam: Violent Shit 2 und Zombie '90. Ich erkannte, dass alles ganz offensichtlich selbstgemacht und simpel realisiert aussieht und dass da echte Fans ihre eigenen Ideen auf Video gebannt haben. Wenn die das können, können wir das auch…oder es zumindest versuchen :-)
Ideen und Inspirationen waren durch wöchentliche VHS-Abende mit allem möglichen Horror und Splatterkram vorhanden, zudem waren wir Schüler, hatten also z.B. in den Sommerferien Zeit und vor allem allesamt Bock auf so was. Es ging in den Sommerferien 2000 los. Knochenwald war meine erste Arbeit und der erste Versuch so etwas wie einen Film auf die Beine zu stellen





TM: Die Knochenwald Trilogie kam damals sehr gut bei Fans von deutschem Amateursplatter an und genießt bis heute noch einen sehr guten Ruf unter ihnen. Wie bist du damals auf die Idee gekommen, Knochenwald zu drehen? War es von vornherein klar, dass es eine Trilogie werden würde?
MT: Zu der Zeit als wir uns jedes Wochenende haufenweise VHS aus der Videothek geliehen hatten (bzw. derjenige von uns, der überhaupt schon 18 war), habe ich auch zum ersten Mal Blutgericht in Texas, den ersten The Texas Chainsaw Massacre, gesehen und war begeistert. Der Film stand eben den genannten Frühwerken von Schnaas übrigens Pate für mein erstes Werk, was man in vielerlei Hinsicht sicher auch merkt, z.B. durch die sehr lang ausgewälzte Verfolgungsjagd am Ende.
Eine Trilogie war nie geplant aber er kam im bei Mitschülern und im Freundeskreis so gut an, dass förmlich eine Fortsetzung gefordert wurde. Ohne die ganze Nachfrage und Bestätigung wäre es wohl nur bei dem einen Teil geblieben. Die Idee, alles weiter zu spinnen und den Morden von Mike Mansfield einen Grund zu geben, war geboren und Knochenwald 2 - Fleischernte wurde bereits kein Jahr später in Angriff genommen.
Nachdem auch der zweite Teil auf viel Zuspruch gestoßen war, haben die ersten Ideen zum dritten und finalen Teil der Reihe nicht lange auf sich warten lassen.
Dass die Knochenwald Trilogie so gut ankam liegt vielleicht daran, dass die Fans merken, dass hier selbst etwas von eingefleischten Fans kommt und wir mega viel Spaß beim Drehen hatten. Anders als einige andere Filmemacher unterliegen wir nicht den Grenzen oder Vorgaben, die geldgeile Produzenten einem vorschreiben um möglichst viel Kohle rauszuholen sondern wir machen das, worauf wir Bock haben und wissen, was man als Splatterfilmfan sehen will.


TM: Waren die Dreharbeiten zu den Knochenwald Filmen aufwändig? Gerade im dritten Teil scheint sehr viel Arbeit zu stecken.
MT: Ja, man kann sagen, dass es einem abverlangt. Neben den ganzen Problemen, mit denen man ständig bei so einer Produktion zu kämpfen hat, kommt noch Schlafmangel, Stress und chronischer Geldmangel hinzu. Im Grunde steckt man alles an Kohle, Kraft, Elan & Herzblut und Freizeit in so einen Film hinein. Ich denke jeder Amateurfilmer, der schon einmal so ein Projekt verwirklicht hat oder es versucht hat, weiß was ich meine.
Zudem haben 90% der Mitwirkenden nur an Wochenenden Zeit, weshalb sich so ein Projekt immer zieht. Bei Knochenwald 3 fing es schon an, dass viele gerade mit der Schule fertig waren, mit Ausbildungen oder zu studieren anfingen und auch weggezogen sind. Man hatte einfach weniger Zeit und jeder Dreh setzte viel Organisation voraus. Das war der Hauptgrund, weshalb die Drehzeit so lang dauerte. Ein Problem, das ja bei TIO immer noch vorhanden war.



TM: Du machst die Effekte selbst. Siehst du dies eher als notwendiges Übel, oder macht dir die Arbeit Spaß? Hast du dir alles selbst beigebracht?
MT: Ja, mittlerweile mache ich die Effekte zum größten Teil selbst. Leider ist der Marco Neumann, der damals noch die Effekte für Knochenwald 1 und 2 kreierte, weggezogen und kann nur noch bedingt mithelfen. Somit liegt beim Dreh nicht nur Regie und Kamera unter meiner Verantwortung sondern auch das Umsetzen der Effekte.
Effekte zu kreieren macht auf jeden Fall Spaß, ist aber, angesichts der Menge an nötigen Effekten, auch sehr anstrengend und zeitintensiv und ja, irgendwann kommt man schon an einen Punkt, wo es einem als notwendiges Übel erscheint und man sich lieber mehr auf andere Bereiche konzentrieren möchte. Gerade beim Dreh verschlingen die direkten Vorbereitungen und Drehs von Splatterszenen das meiste an Zeit. Und sehr viel Hilfe ist bei solchen Szenen notwendig, alleine würde ich das auch nicht schaffen und daher bin ich meinem Team sehr dankbar. Bestes Beispiel sind dafür Szenen, in denen ein Dummy, eine präparierte Puppe eines Darstellers z.B. den Kopf verliert. Diese muss so fixiert werden, dass sie beim Dreh nicht wegkippt, dann werden diverse Helfer gebraucht um Blut im richtigen Moment durch die Schläuche zu pumpen und zu guter letzt soll der Dummy noch lebendig wirken, so dass ein weiterer Helfer z.B. noch dessen Arme bewegt. So kommt es, dass für eine Szene, die im Film nur Sekunden zu sehen ist, bis zu mehrere Stunden Drehzeit nötig waren bzw. bis zu vier oder fünf Helfer, wo ein Dummy weggesplattert wird.
Andererseits will ich diese Art von Szenen nicht missen da ich Fan solcher expliziten Splatterszenen bin, genau wie Fulci es schon in seinen Filmen zeigte. Ich mache lieber einen Film, wo deutlichst explizit rumgesplattert wird als z.B. vier Filme, die im Verhältnis die gleiche Produktionsdauer benötigen würden, dafür aber nur Blut aus dem Off kommt...oder ganz blutleer daherkommen.




TM: Terror Island Overkill erinnert ein wenig an einige Troma Filme und Knochenwald natürlich an die klassischen Slasherfilme. Welche Inspirationen bzw. Vorbilder hast du?
MT: Hehe, mit Troma hast Du schon eine große Inspirationsquelle für meine Filme genannt. Weitere Vorbilder sind für mich in erster Linie die Underground-Regisseure, die mit ihren Frühwerken ähnlich wie ich angefangen haben: Andreas Schnaas, Olaf Ittenbach und Timo Rose. Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Actionstreifen der 80er und auch Menschenjagd-Filme als Vorbild für TIO dienten aber ein ganz großes Vorbild waren besonders die Filme des britischen Regisseurs Darren Ward, der mich einst mit seinem Action-Splatterfilm Sudden Fury begeisterte. Generell bleiben meine Vorbilder, gerade was Effekte angeht, auch stets die alten italienischen Horror-Splatter-Streifen mit Zombies und Kannibalen.

TM: Wie siehst du dein Werk im Vergleich zur deutschen Amateursplatterszene? Du scheinst auf ganz andere Aspekte wert zu legen, als andere Regisseure aus Deutschland.
MT: Ich denke in der Szene könne sich meine Filme sehen lassen, selbst wenn sie mit verhältnismäßig geringen Mitteln entstanden sind.
Ich lege auf das am meisten bei meinen Filmen wert, was mir generell bei einem Splatterfilm am wichtigsten ist: den Unterhaltungswert. Es hat für mich oberste Priorität, dass der Film interessant bleibt und es Spaß macht, ihn zu sehen.
Bei einigen deutschen Independentfilmern beobachte ich, dass zwar auf einen möglichst guten Cast wert gelegt, in HD gedreht wurde und auch schon ein verhältnismäßig beachtliches Budget zur Verfügung stand aber der Film letztendlich nicht wirklich Spaß beim Zuschauen gemacht hat.
Wichtig ist jedenfalls, dass man als Filmemacher das realisiert, womit man sich selbst oder seine Vorstellungen identifizieren kann und den Fans treu bleibt, selbst wenn man einen Produzenten im Hintergrund hat, der das Projekt finanziert. Angesichts der Filme, die z.B. in den USA im Independentbereich entstehen, ist dies leider nicht immer der Fall. 




TM: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Dennis Jürgensen?
MT: Der Dennis ist ein alter Schulfreund von mir, den ich schon seit über 25 Jahren kenne und noch heute einer meiner besten Freunde ist. Er war von Anfang an bei den Filmen dabei und war glücklich, die Hauptrolle Even Harders, des Helden aus TIO, zu übernehmen. Viele Ideen wie bestimmte Kills oder Sprüche kamen übrigens von ihm. Er hatte echt Spaß dabei, in der Rolle des Even Harder oder auch des Dennis Craven in Knochenwald 3 die Sau rauslassen zu können.

TM: Welche Pläne hast du für die Zukunft? Sind weitere Filme in Arbeit oder Planung?
MT: Direkt in Planung ist derzeit nichts. Aber Ideen für vieles weitere spuken mir ständig im Kopf herum. Darunter gibt es auch Überlegungen zu u.a. einem Episodenfilm, einem Zombiefilm oder sogar eine Fortsetzungen zu TIO oder Knochenwald. Da das letzte Projekt aber so einiges wenn nicht sogar alles an Ressourcen aufgebraucht hat, ist mir erstmal nach einem Kurzfilm statt der jahrelangen Arbeit an einem Langfilm-Projekt. So war 2007 die Arbeit an meinem Kurzfilm Endzeit für die Krankheit Mensch 2 Kurzfilmsammlung eine willkommene Abwechslung zu einem endlos scheinenden Langfilmprojekt. Mal schauen, was kommt :-) 




TM: Vielen Dank für das Interview! Irgendwelche letzten Worte, Grüße etc.?
MT: Einem geldschweren Produzenten, der hier evtl. mitgelesen hat, möchte ich mitteilen, dass er mir doch gerne meinen nächsten Film produzieren darf, wenn er möchte. Ich garantiere auch, das wird das beliebteste deutsche Schlachtfest seit Ittenbachs Premutos. Voraussetzung ist lediglich, dass die Zügel in der Hand behalte, das gilt auch für die post production :-)
Ich möchte mich bei allen eingefleischten Fans, Gorehounds und Filmnerds bedanken, die auf meine Filme stehen. Ohne euer Lob, konstruktive Kritik und positives Feedback hätte ich vielleicht schon nach Knochenwald 1 mit dem Filmen aufgehört.

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